Meine Zeit ist jetzt

02. Juli 2018 

In meinem Alltag ist es mir sehr wichtig, immer mal wieder innezuhalten. Mein Leben in diesem speziellen Moment anzuschauen und in mich hinein zu spüren. Das mache ich sehr regelmäßig, meistens zum Beginn eines neuen Monats. 

Ist dies noch das Leben, das ich führen möchte? Lebe ich meine Werte, meine Vorstellungen, meine Träume? Wie gehe ich mit mir selbst um- bin ich wertschätzend und liebevoll zu mir? Sorge ich gut für meinen Körper- mit nahrhaftem Essen, ausreichend Bewegung und genügend Schlaf? In welchem Umfeld bewege ich mich? 

Umgebe ich mich mit Menschen, die ich anerkenne und die mir am Herzen liegen und die auch mich anerkennen und denen ich am Herzen liege? Können wir uns vertrauen, miteinander lachen und halten wir auch unsere Unterschiede aus, ohne diese als etwas Trennendes zu erleben?

Diese Innenschau macht mich stets dankbar für das was ich schon habe und ermutigt mich, in allem Handeln mein Bestes zu geben. Nicht immer gelingt mir das vollständig und zu meiner höchsten Zufriedenheit, aber ich beginne jeden Tag mit dieser Haltung. Meine langjährig geübte Morgenroutine unterstützt mich dabei.

In meinem nächsten Blogpost erzähle ich Dir gerne mehr darüber und teile mit Dir meine Erfahrungen.


Menschen, Hunde und Kunst
Teil 1

23. April 2018 

Ich mag Menschen und ihre Geschichten, ob persönlich, als Buch oder virtuell. Lebensgeschichten üben seit jeher eine ungeheure Faszination auf mich aus. 

Vom Tellerwäscher zum Millionär, vom hässlichen Entlein zum Schwan. Vom verkannten Genie zum erfolgreichen Weltverbesserer. Ich denke mich in die jeweilige Person hinein, versuche, sie in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Gehe auf Entdeckungsreise und suche nach Parallelen oder Trennendem. Oft beginne ich dann, mich und mein Leben zu reflektieren und halte Innenschau. 

Vor ein paar Tagen stellte ich mir die Frage: Wie würde mein Inneres aussehen, wäre ich ein Kunstwerk? Wäre es eher ex- oder impressionistisch? Ist mein Innenbild eher dem Kubismus zugehörig oder neige ich mehr zum Konstruktivismus? Eine Portion Effektivismus hatte im Laufe der Jahre sicherlich bei mir eine Rolle gespielt. Aber jetzt? Graffiti oder Street Art? 

Mit zunehmender Lebenserfahrung habe ich mich nach innen gewendet, habe mit Yoga begonnen und Meditation. Habe Innenschau betrieben, meine eigenen Werte immer wieder auf den Prüfstand gehoben und einige neu definiert. Meine Gefühlswelt und meine Intuition sind im Laufe der Zeit noch präziser geworden, feiner, intensiver. 

Meine Hunde haben meine Entwicklung begleitet. Sie spüren jede meiner Veränderungen sehr genau. 

War ich früher manchmal ungeduldig, hinterfrage ich jetzt präziser: Was stört mich genau an dieser bestimmten Situation und warum? Worin liegt mein Anteil und was muss ich an mir verändern, damit wir als Partner, als Rudel , als Team, in dieser speziellen Situation besser harmonieren? Warum reagiert gerade dieser Hund in diesem besonderen Moment anders als sonst?

Ich beobachte. Bin still und nehme mich zurück. Und erfahre von meinen Hunden sehr oft über kleine Gesten, einen Blick, eine Intention, worum es ihnen in diesem Moment geht. Verstehe und verändere dadurch mein Reaktionsverhalten. Oder löse friedlich und freundschaftlich Situationen auf. Das ist ein großes Geschenk. 

Welches Kunstwerk ich in mir nun tatsächlich bin? Das kann ich gar nicht so genau sagen. Der heutige Tag war eine wunderbare Collage. In meiner Küche war ich Konzeptkünstlerin und wünschte mir jetzt eher, dass ich dort dem Purismus mehr zugeneigt gewesen wäre. 

Und wie ist es mit Dir? Gibt es eine Kunstrichtung, in der Du Dich wiederfindest? Ein Gemälde, das Dein Inneres abbildet?
Wie es bei Deinem Hund aussehen könnte, schauen wir uns in Teil 2 genauer an.


Vom Herumrennen und Spazierenstehen

15. April 2018 

Wenn wir früher zu einer Gassirunde aufbrachen, freuten sich die Hunde schon im Haus wie verrückt. Auch wenn wir regelmäßig zu verlässlichen Uhrzeiten aufbrachen und unsere jeweilige Strecke in Variablen abliefen, schien es für sie jedesmal ein neues und wunderbares Abenteuer zu sein.

 

Sie waren stets zügigen Schrittes unter rascher Begrüßung ihrer vierbeinigen Nachbarn unterwegs. Wichtige Markierungen wurden inspiziert, eigene gesetzt. An passenden Orten rannten sie in großen Kreisen umher, begutachteten Mäuselöcher und apportierten gelegentlich einen Stock, der meist viel zu groß und zu schwer für sie war. Den ließen sie unterwegs fallen und wandten sich neuen Abenteuern und Herausforderungen zu.

 

Im Laufe unser zehn gemeinsamen Jahre kam bei täglich mindestens zehn zurückgelegten Kilometern für den Menschen und so viel mehr Kilometern für den Hund schon eine umfangreiche Strecke zusammen.   

 

Gesegnet mit einer robusten Natur und einer gehörigen Portion Entdeckergeist war uns kein Weg zu lang und kein Hügel zu hoch.

 

Wann es anfing, dass mein Griff nach der Leine nicht mehr diese mitreißenden Begeisterungsstürme hervorrief, kann ich nicht mehr genau sagen. Hielt ich ihre mangelnde Heiterkeit bei der Aussicht auf eine neue Laufrunde zuerst für eine Antwort auf die herrschende Wetterlage, so hätten mich die folgenden Sonnentage jedoch eines Besseren belehren müssen. Taten sie aber nicht.

 

Wenn Marie jetzt feststellt, dass die Umgebung für sie keine adäquaten Reize mehr bereit hält, dann setzt sie sich konsequent hin. Ihre starke Persönlichkeit lässt dann keinen weiteren Meter zu, Lockversuche meinerseits lässt sie nicht gelten. Einzig mein Einlenken:  „Dann gehen wir eben zurück!“ ist für sie die passende Option.

 

Theo ist gelegentlich noch etwas motivierter, aber auch er hat schnell die Vorteile eines gemütlichen Beisammenseins im häuslichen Umfeld für sich erkannt. Nicht ungern läßt er sich von ihr zu einer unverzüglichen Rückkehr in Richtung des heimatlichen Hundesofas mitreißen.

 

Statt Marco-Polo-Attitüde und Vollgas jetzt die Entdeckung der Langsamkeit

 

Wir lernen nun Rasenstücke aus unbekannten Blickwinkeln kennen, lassen uns verzaubern von einer Hundenase, die minutenlang an derselben Stelle verharrt und haben dabei auch schon über die Eleganz fachkundig verlegter Gehwegsteine sinnieren können.

 

Mit einem älteren Hund gilt es, die Welt neu zu entdecken. Wir folgen ihm auf seiner entspannten Betrachtung der Umwelt und üben uns darin, aufsteigende Gefühle von Wehmut und Veränderung zu unterdrücken.

 

Immerhin: Auch wenn Marie und Theo jetzt überwiegend im Seniorenmodus unterwegs sind vermag ein achtlos hingeworfener Pausenbrot-Rest im Gebüsch ihre Reaktionsfähigkeit noch immer zu aktivieren. Und wenn sie uns dann mit glänzenden Augen anfunkeln und das Schwänzchen einem Propeller gleicht, dann freuen wir uns ganz einfach mit ihnen mit.

 

Alter muss man üben.